Extremes Übergewicht - wie es dazu kam (I)

Tja, das ist so einfach nicht zu sagen. Tiefenpsychologisch wird es bestimmt Gründe geben, aber damit kenne ich mich nicht aus. Also rede ich einfach mal von mir selbst. Ich (wie auch mein Vater) habe eine leichte Behinderung am Ohr. Mein linkes Ohr ist fehlentwickelt, konkret fehlt die Ohrmuschel und der Gehörgang ist verengt - ergo, ich höre auf der linken Seite fast nichts. Dazu schiele ich mal mehr, mal weniger - konkret sehe ich auf dem linken Auge nur peripher, als Kind habe ich die üblichen Übungen mit Auge-Abkleben nicht gemacht (die wohl eh nur mittelmässig helfen). Beides zusammen schaut nicht so wahnsinnig toll aus, als Kind ist einem das aber eigentlich relativ egal. Eitelkeit entwickelt sich wohl erst mit dem Alter. Aber ich nutzte beides unterbewusst früh als Ausrede. Erst, dass ich deswegen nicht schwimmen könne (was ich dann aber doch lernte durch einen glücklichen Zufall) oder nicht Radfahren könne (was ich bis heute nicht kann).

Ansonsten war ich ein normales Kind. Ich glaube, ich war recht clever (Lesen und Schreiben konnte ich unheimlich schnell) und künstlerisch begabt, konnte sehr gut zeichnen. Generell war viel Lesen und Zeichnen mein Lieblingshobby - neben dann auch später Computer im Allgemeinen. Hin und wieder spielte ich aber auch Fußball oder kletterte auf Baustellen herum. Aber ja, auch hier zeichnet sich schon ein Muster ab: Indoor-Hobbies überwiegten deutlich.

Ich wuchs in einem zufriedenen Elternhaus auf dem Land auf. Meine Mutter war auch immer übergewichtig, mein Vater hatte einen kleinen Wohlstandsbauch, aber war generell sehr aktiv (Tennis, Leichtathletik) und beide waren (wie auch ich) ziemliche Genussmenschen. Gutes Essen, guter Wein, gut selbst kochen, gut einkaufen. Es gab nicht nur gutbürgerliche sondern auch exotische Küche und war deswegen auch früh vertraut mit allen möglichen Kochutensilien. Ich lernte früh selbst zu kochen - und auch komplexere Gerichte. Und ganz sicher "entwickelte" ich eine Taubheit fürs Hunger- und vor allem Sättigungsgefühl. Essen ging quasi immer, war lecker, machte irgendwie Spaß. Und generell war Essen auch was Tolles, was mir durch den Alltag so beigebracht wurde. Meine Eltern gingen gerne zum essen aus, in gute und sehr gute Lokale. Hier dürfte die Grundlage gelegt worden sein für mein enormes Übergewicht.

Ein Therapeut würde vermutlich sagen, dass ich unterbewusst unglücklich war wegen meiner Defizite (Auge, Ohr, kein Fahrradfahren) und Essen das kompensierte. Auch möglich, schwer zu sagen im Nachhinein. Vermutlich war es eine gute Mischung aus beidem, also einerseits Kompensation, andererseits eine Prägung darauf, was gut und toll ist. Das erklärt auch, warum ich auch bis heute relativ gesund und aktiv bin, also nicht einfach nur fett und schwer, sondern über eine halbwegs solide Kraft und Ausdauer verfüge.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Lug und Betrug

Motivation