Extremes Übergewicht - wie es dazu kam (II)

Die Erwachsenen-Jahre
Ich bin kein Fastfood-Junkie. McDonalds besuche ich vielleicht einmal im Jahr, auch andere Fastfoodketten nur minimal. Pizza wurde immer wieder gerne mal bestellt, ansonsten aber reichlich und groß und nahrhaft gekocht, meistens Nudeln. Ich kann großartig Fleisch braten, tolle Lasagnen und Soßen zaubern und auch backen ist kein Problem. Ich aß und esse heute noch gerne jeden Salat, Gemüse, Fleisch - eben kein Junkfood. Ich habe eben "gelernt", sich gut und gesund zu ernähren, nur eben nicht, wie viel man zu sich nehmen sollte. Meine Eltern waren immer relativ reich und ich war und bin ein klassisches Kind der Überfluss-Gesellschaft.


2000 verließ ich mit einem beruflichen Wechsel meine Heimat und zog nach Nürnberg. Kurz darauf flog privat dann die Scheisse in den Ventilator. Verschiedene harte Schläge sorgten dafür, dass ich finanziell große Probleme bekam (nicht mal selbst verursacht, nur zuviel Vertrauen in bestimmte Leute gehabt) und mich auch Depressionen darauf hin packten. In den dann folgenden 10-12 Jahren gab es dann auch Zeiten, wo 5 Euro für 2-3 Wochen reichen mussten. Für 35cent bekommt man einen Bund Spaghetti, aber an Gemüse praktisch nichts. Und der Streß und Frust aus dieser Zeit ermuntert auch nicht unbedingt, mal die Schokolade weg zu lassen. Grundsätzlich ungesund ernährte ich mich aber auch dann nicht: Wenn man Kochen kann, spart man viel Geld.

Mit der Bekämpfung der Depressionen fand ich dann auch finanziell wieder Halt, zudem eine Beziehung, die ebenfalls schwere Gewitter mitmachte, aber stets gesund blieb.

Körperlich bewahrte ich mir immer eine gewisse Aktivität: Soweit es die Finanzen zueließen war ich LARPer, gerne unterwegs, bspw. in Zoos oder Tierparks und oft bei Freunden (in einem Satz - literarische Meisterleistung), wodurch mein Körper grundsätzlich nicht unfit ist. So kommt es, dass ich trotz 180+ kg und dank recht großer Körpergröße (185cm) nicht "extrem fett" wirke und mir auch nicht jede Aktivität wie "in die Küche gehen" schwer fällt. Aber auch hier droht Gefahr: Sollte ich mal für einige Wochen ausser Gefecht gesetzt werden, bspw. durch einen Beinbruch oder Bänderrisse (was bei meinem Gewicht durchaus schnell passieren kann, wenn man nicht aufpasst), dann werde ich körperlich rapide abbauen.

Wie schon beim Blogstart beschrieben: Körperlich war ich an einem Punkt erreicht, wo deutliche Warnsignale gesendet werden. Warnsignale, die vor dem ersten echten Warnschuss kommen. Bevor ich also einen Bandscheibenvorfall o.ä. kassiere, kamen Rückenschmerzen in erheblichem Maße und machten klar, dass mein Leben mit gerade mal 37 Jahren ziemlich hässlich werden könnte, wenn ich nichts ändere. Und als ich mal wieder bei einem Stadtbummel nach kaum 10 Minuten solche Rückenschmerzen hatte, dass wirklich nichts mehr Spaß machte, war diese Erkenntnis dann verankert.


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